World Usability Day 2018

Programm

Ethics and Design – The Art of Not Killing Anyone (Keynote)

Manuel Marquina, Evernote

Manuel Marquina

Dass unsere Welt sich gegenwärtig rasant verändert, weiß inzwischen jeder von uns. Mittlerweile können wir uns in die ersten autonom fahrenden Autos setzen und uns die spannende Frage stellen: Wer ist schuld, wenn der Wagen nun jemanden überfährt?

Als Designer/innen sind wir dabei mittendrin. Design beeinflusst wie sich Menschen verhalten und ihr Leben leben. Als Designer/innen sind wir trainiert darauf, Probleme zu lösen und das Leben eines Menschen zu verbessern. Aber wer definiert was “verbessern” genau bedeutet? Wer definiert was gut und was böse ist? Kann man “das Gute” designen?

Was ein Designer oder eine Designerin gestaltet, ist nicht neutral. Design ist eine ethische Tätigkeit. Wir brauchen Beispiele um “gutes” von “schlechtem” Design unterscheiden zu können. Wir brauchen Werkzeuge, um Ethik in unsere Arbeit integrieren zu können. Als Designer haben wir die Chance die Welt zu verändern.

Manuel leitet das Evernote Sales und CSM Team in EMEA und doziert bei verschiedenen Fachhochschulen zu den Themen Arbeitsgestaltung, Unternehmensproduktivität und Design.

Hooked on a (Terrible) Feeling: How Dark Product Patterns Hurt Users

Christian A. Gonzalez, Ph.D.; Melissa Smith, Ph.D., Google

Christian Gonzalez
Melissa Smith

„Dark“ UX patterns are becoming more well known in the UX community. They exploit expectations about design to deceive users into interacting with UI or signing up for things they didn’t mean to (https://darkpatterns.org/). Dark patterns lead users to to behave ways they don’t intend to and that, ultimately, may be quite harmful.

However, dark patterns can extend beyond deceptive UI and interaction into the core value propositions of products themselves. Specifically, we argue that „addictive“ products, like apps and services employing the „Hooked“ model evangelized by Nir Eyal, are actually a form of Dark UX patterns.

This talk will review the „Hooked“ model through a critical lens and demonstrate how this can lead to harmful habit formation. Furthermore, we connect this to the broader academic literature on the social consequences of technology addiction. Finally, we present a framework to better balance the ethics of human centered design with business needs of growth and retention.

Christian is a Senior User Experience Researcher at YouTube. He currently leads the Music research team.

Melissa is a Senior User Experience Researcher at YouTube and a science education enthusiast.

Long-haired Freaky People: Der Einfluss des Organisationsdesigns auf Produkte

Bastiaan van Rooden, Nothing Interactive

Bastian van Rooden

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Bastiaan mit dem Einfluss des Organisations-Designs einer Firma auf ihre Werte, ihrer Ethik und schlussendlich auf das Design der Produkte. Traditionelle Hierarchien aus dem Industriezeitalter passen nicht mehr in dieses Jahrhundert; mit menschenzentrierten Organisationsformen können wir langfristig dem wirklichen Fortschritt der Menschheit dienen.

Vor mehr als einem Jahr hat sich Nothing Interactive entschieden, ein soziokratisches Selbstorganisationsmodell einzuführen (Peer-to-peer-Organisation, kurz P2POrg), welches den Menschen ins Zentrum setzt — und um damit auch die Produkte für Menschen relevanter zu machen.

Wenn Bastiaan nicht gerade in den Schweizer Alpen auf Tour ist, gestaltet er digitale Produkte, um diese einfach, menschlich und zugänglich für alle zu machen. Gerne bezeichnet er sich als Kybernetiker und agiert als Gründer der Produktdesign-Agentur Nothing Interactive als Diplomat zwischen den Welten Design, Business und Entwicklung.

What is Good UX? The Eudaimonic Perspective

Dr. Elisa D. Mekler, Universität Basel

Elisa Mekler

User Experience Design hat viel dazu beigetragen, dass wir besser verstehen was eine positive Interaktion mit Technologie ausmacht. Der Fokus liegt dabei oft auf hedonischen Nutzungsaspekten, wie zum Beispiel Spass und positive Emotionen.

(Persönliche) Bedeutsamkeit (engl. „Meaningfulness“) erhielt allerdings bisher wenig Aufmerksamkeit, obwohl es als wichtiger Bestandteil psychologischen Wohlbefindens gilt. Basierend auf Erkenntnissen der positiven Psychologie, stellt Elisa Mekler das Konzept der ‚Eudämonie‘ (frei nach Aristoteles: „Streben nach Tugend“) als komplementärer Ansatz vor, um positive UX zu gestalten und zu evaluieren.

Elisa ist Psychologin und Leiterin des Forschungsschwerpunkts Mensch-Maschine Interaktion der Universität Basel.

Einfallstor Mensch – Sicherheit vs. Usability

Philipp Murkowsky, Puzzle ITC

Philipp Murkowsky

Das Thema „IT-Security“ dominiert die Agenda der Schweizer CIO’s wie nie zuvor. Wen wundert’s, vergeht doch keine Woche ohne dass in den Medien über einen grossen Cyberangriff berichtet wird. Auffallend häufig wird die Ursache auf menschliches Versagen zurückgeführt.

Wie kommt es, dass die User zu einem grossen Sicherheitsrisiko geworden sind? Was können Unternehmen tun, um die Usability, und damit die Effektivität ihrer Sicherheitsmassnahmen zu verbessern und ihre Mitarbeitenden zu sensibiliseren?

Philipp zeigt anhand zahlreicher Beispiele auf, welche Rolle der „Faktor Mensch“ in der Informationssicherheit spielt. Welche Problemfelder existieren? Und welche Praktiken haben sich bewährt, um diesen Risiken zu begegnen?

Philipp ist Psychologe und arbeitet seit 20 Jahren in der IT, davon 14 Jahre als Usability Consultant. Als ehemaliger Systemadministrator kennt er auch die technische Seite und kann daher gut zwischen Nutzer/-innen und Techniker/-innen vermitteln. Seit 2015 leitet er den Geschäftsbereich User Experience bei Puzzle ITC.

Wer beurteilt, was gutes Design ist?

Jonas Oesch, FHNW

Jonas Oesch

Sie möchten einen Gipfel besteigen, aber sie wissen nicht wo der nächste Gipfel liegt? Eine Methode ist, von dort, wo sie sich gerade befinden so lange aufwärts zu laufen, bis es in alle Richtungen nur noch bergab geht. Gratulation! Sie haben den Gipfel erreicht.

Ähnlich präsentieren sich viele User Centered Design-Methoden. Sie sind empirisch – und stolz darauf. Dabei wird leider übersehen, dass die zu erkundende Design-Landschaft grösser ist als der Berg, der vor einem liegt.

Und so rennen wir den ewig gleichen Berg hinauf, weil unsere Methoden uns sagen, dass es in die andere Richtung abwärts geht und wir nicht wissen was dort ist. Das Resultat: ein gestalterischer Massentourismus. Auch im UX-Design ist das „evil“.

Die Einseitigkeit kommt daher, dass ständig wieder von vorne begonnen wird, statt existierendes Wissen besser zu nutzen. Dabei könnte gerade dieses Wissen als Landkarte dienen um die Design-Landschaft weiträumiger zu erkunden ohne sich zu verlieren.

Ein solches Designwissen ist in anderen Disziplinen wie der Architektur oder der Typografie durchaus vorhanden. Dort wird es traditionell in Form kritischer Evaluation vom Meister an den Schüler weitergegeben. Dieser Austausch ist auch Teil eines kreativen Prozesses, der jenseits schlichter „usability“ Neues schafft.

In der UX-Welt wird diese Art der Evaluation als «Expert Review» bezeichnet und geniesst leider einen eher schlechten Ruf. Zu Unrecht, wie die anderen Disziplinen zeigen. Gerade der Austausch mit Experten kann uns Mut machen, neues Terrain zu beschreiten.

Jonas studiert und forscht zum Thema Informationsvisualisierung am Institut für Interaktive Technologien an der Fachhochschule Nordwestschweiz..

Fairness and Responsible Design in Google Photos

Thryn Shapira, Google

We built Google Photos to be a home for all your photos, organized and brought to life so you can share and save what matters. Throughout the app, we incorporate machine learning to help make our users’ photo management experience as easy, useful and intuitive as possible. It takes just a few taps to search for photos you took on the beach in June or get a themed movie about your life and interests without a lot of time spent on editing. This talk will delve into our design process and how we ensure we are building with responsibility and fairness in mind.

Thryn is a UX Design Manager for Google Photos. She has 15 years of experience in the design and tech world, and joined Google in 2014. Thryn also served in the Peace Corps in Cameroon (2008-2010) as a computer literacy teacher.

Zwischen den Stühlen – Beratungsapplikationen schüren Konflikte

Dr. Susanne Schmidt-Rauch, evux

Susanne Schmidt-Rauch

Beratungsapplikationen, die im Beratungsgespräch zum Einsatz kommen, sind nicht nur deshalb besonders, weil sie von einem Profi und einem Laien zur gleichen Zeit verwendet werden und damit besondere Anforderungen an die Interaktionsgestaltung stellen. Sie können zudem den Principal-Agency-Konflikt ausgleichen, der in jeder Kundenbeziehung wirkt.

Klassische Mechanismen, um z.B. über Vertragsgestaltung dem Kunden (Prinzipal) zu signalisieren, dass der Berater (Agent) in seinem Sinn handelt, können durch Gestaltungsregeln des Unterstützungssystems massgeblich positiv beeinflusst werden. Wer den Konflikt kennt, kann für den Berater oder den Kunden gestalten. Der Königsweg ist es jedoch, die Interessen auszugleichen. Denn schlagen wir uns bei einer Beratungsapplikation zu sehr auf die Seite des Kunden (oder zu wenig auf die Seite des Beraters), bleibt die Applikation im Kundengespräch in der Schublade. Denn der Berater setzt im Beratungsgespräch nur das ein, was ihm offensichtlich hilft.

Susanne zeigt auf, wie der Principal-Agency-Konflikt im Gespräch wirkt, was passiert, wenn man das Gespräch schlecht gestaltet, welche Regeln beherzigt werden müssen und anhand von Beispielen, wie die Applikationen aussehen können. Was das alles bringt? Erfolgreiche Beratungsapplikationen, und zwar nachweisbar! Gut und Böse gehören in eine Balance.

Susanne ist Senior UX Consultant bei evux und beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit den Mechanismen in Beratungsprozessen und unterstützt bei der Einführung von Beratungsapplikationen in Unternehmen unterschiedlicher Branchen.

Mit freundlicher Unterstützung durch:

Gold

Die HSR ist Goldsponsor des WUD
Zühlke ist Goldsponsor des WUD 2018
ELCA ist Goldsponsor des WUD 2018

Silber

Zeix ist Silbersponsor des WUD 2018
ergon ist Silbersponsor des WUD 2018

Bronze

viu ist Bronzesponsor des WUD 2018
Boris Baldinger ist Bronze-Sponsor des WUD 2018
TestingTime ist Silbersponsor des WUD 2018
Atfront ist Bronze-Sponsor des WUD 2018

Kleinere Sponsoren

SAQ Swiss Association for Quality
rosenfeld media sponsort einen kleinen Wettbewerb am WUD
ticketpark sponsort das Ticketing mit einer Reduktion der Kosten für den WUD 2018